Pressekonferenz von S.E. Hakan Fidan, Minister für auswärtige Angelegenheiten der Republik Türkiye, auf dem Fünften Antalya Diplomatie Forum, 19. April 2026, Antalya

AUSSENMINISTER HAKAN FIDAN – Sehr geehrte Pressevertreter*innen, sehr geehrte Teilnehmerinnen und Teilnehmer; nach einer intensiven, qualitativ hochwertigen und produktiven Arbeit schließen wir heute das fünfte Antalya Diplomatie Forum ab.

Drei Tage lang war Antalya erneut ein Zentrum, in dem der Puls der globalen Diplomatie schlug. Von Podiumsdiskussionen mit führenden Persönlichkeiten bis hin zu regionalen Sitzungen haben wir gemeinsam ein umfassendes Programm mit vielen verschiedenen Formaten und Inhalten erfolgreich durchgeführt.

In insgesamt 52 Sitzungen hatten wir die Gelegenheit, gemeinsam eine Bestandsaufnahme der aktuellen Krisen vorzunehmen. Wir hatten die Gelegenheit, Führungskräfte, Entscheidungsträger und Experten aus aller Welt – von Asien-Pazifik über Lateinamerika bis hin zu Europa und Zentralasien – unter einem Dach zu treffen und mit ihnen zu diskutieren. Ich möchte nur einige Zahlen nennen: In diesem Jahr nahmen 6.400 Teilnehmer aus 150 Ländern und 66 internationalen Organisationen an unserem Forum teil. Das ist im Vergleich zu ähnlichen Veranstaltungen tatsächlich eine sehr große Zahl, sowohl hinsichtlich der geografischen Reichweite als auch hinsichtlich der Teilnehmerzahl. 23 Staats- und Regierungschefs, 13 Vizepräsidenten von Staaten und Regierungen, Parlamentspräsidenten, 50 Minister und hochrangige Vertreter von 87 internationalen Organisationen nahmen an unserem Forum teil. Im Rahmen des Forums führte S.E. Präsident Erdoğan hochrangige und fruchtbare Gespräche. Zusammen mit unserem Vizepräsidenten und unseren anderen Ministerkollegen führte er mit den anderen Gesprächspartnern, die zu unserem Land gekommen waren und am Forum teilnahmen, gute und fruchtbare Gespräche. Auch wir standen mit zahlreichen Amtskollegen*innen und Vertretern internationaler Organisationen in Kontakt.

Während des Forums hatten wir zudem die Gelegenheit, am Rande des Forums wichtige Treffen auszurichten, die die internationale Agenda prägen werden. Bei unserem Vierertreffen mit Saudi-Arabien, Ägypten und Pakistan haben wir Maßnahmen zur Förderung von Frieden und Stabilität in unserer Region sowie mögliche Initiativen zur dauerhaften Gewährleistung der freien Schifffahrt erörtert. Wir haben konkrete Schritte festgelegt, die wir unternehmen werden, um eine gemeinsame Vision für die Zukunft unserer Region zu entwickeln. Bei dem Treffen, an dem sechs muslimische Länder teilnahmen, haben wir den Stand des Gaza-Friedensplans erörtert. Wir haben unseren gemeinsamen Willen in Bezug auf diesen Prozess bekräftigt. Wir haben gemeinsame Pläne besprochen, die wir gemeinsam umsetzen werden, um dauerhaften Frieden in unserer Region zu schaffen. Auf dem informellen Außenministertreffen der Organisation der Turkstaaten hatten wir Gelegenheit, die aktuellen Themen unserer gemeinsamen Region zu erörtern. Außerdem haben wir hier am Rande des Forums das dritte Treffen der Außenminister der Balkan-Friedensplattform abgehalten. Dort hatten wir Gelegenheit, unsere künftigen Schritte zur operativen Zusammenarbeit vor Ort zu besprechen. Im Zusammenhang mit Gaza war die hochrangige Sitzung unter dem Titel "Ein Herz für Palästina – Die Zukunft schützen und der Zerstörung im Bildungswesen entgegenwirken “, die unter der Schirmherrschaft von Frau Emine Erdoğan, der verehrten Gattin unseres Präsidenten, organisiert wurde, eines der bedeutendsten Treffen unseres Forums.

Sehr geehrte Pressevertreter*innen; im Rahmen des Themas “Bei der Gestaltung der Zukunft mit Unsicherheiten umgehen”, das die ideelle Grundlage unseres Forums bildete, haben wir einen umfassenden Streifzug zur politischen, wirtschaftlichen und diplomatischen Architektur der Zukunft unternommen. Vertreter aus einem weiten geografischen Raum hatten erneut die Gelegenheit, Perspektiven zu globalen und regionalen Themen in den Mittelpunkt der Diplomatie zu rücken. Die Eigenschaft des Antalya Diplomatie Forums, unterschiedliche Standpunkte, Regionen und Interessen an einem Tisch zusammenzubringen, wurde erneut bestätigt und auf die Probe gestellt. In unseren Sitzungen trat deutlich die Vorstellung hervor, dass regionale Krisen nur durch die eigenen Dynamiken der jeweiligen Region und die aktive Beteiligung regionaler Akteure gelöst werden können. Ebenso fruchtbar verliefen unsere Sitzungen zur Weltwirtschaft. In einer Zeit, in der Protektionismus zunimmt, bot sich die Gelegenheit, immer wieder den Beitrag hervorzuheben, den Investitionen, freier Handel und Vernetzungsprojekte zur internationalen Stabilität leisten. Angesichts der Neudefinition der Geoökonomie wurden heute auch ausführlich erörtert, wie das Gleichgewicht zwischen globalen und nationalen Prioritäten hergestellt werden kann, welchen Platz Multilateralismus in dieser Gleichung einnimmt und welche Krisen wir derzeit durchleben.

Auch in diesem Jahr messen wir dem afrikanischen Kontinent besondere Bedeutung bei. Das Investitions- und Entwicklungspotenzial des Kontinents wurde auf den Tisch gebracht. Gleichzeitig haben wir den entscheidenden Zusammenhang zwischen Sicherheit und Entwicklung mit großer Sorgfalt bewertet. Auch hier hatten die Teilnehmer Gelegenheit, noch einmal die Bedeutung regionaler Eigenverantwortung hervorzuheben. Eine unserer Veranstaltungen im Anschluss an die heutige Pressekonferenz ist eine Veranstaltung zum Thema Afrika. Bei dieser Veranstaltung werden wir die Gelegenheit haben, mit unseren afrikanischen Teilnehmern und Freunden zusammenzukommen. Im Rahmen dieses Treffens werden wir uns zudem über Möglichkeiten austauschen, die Partnerschaft zwischen Türkiye und Afrika weiter voranzubringen.

Sehr geehrte Pressevertreter*innen; auf unserem Forum haben wir die Diplomatie aus ihren traditionellen Grenzen herausgeführt und in Bereiche übertragen, die die Zukunft gestalten werden. Die Geopolitik der künstlichen Intelligenz, die die Welt der Zukunft prägen wird, der strategische Wettbewerb um kritische Mineralien und die Neugestaltung der globalen Energiekarte waren ebenfalls Themen, die auf dem diesjährigen Forum in unseren Podiumsdiskussionen erörtert wurden. Im Rahmen des Vorlaufs zur COP31, deren Gastgeber wir sein werden, haben wir zudem betont, dass die Bedeutung der Ernährungssicherheit sowie die Maßnahmen gegen Dürre und Klimawandel nicht den geopolitischen Spannungen zum Opfer fallen dürfen. Die Veranstaltungen im Bereich der Kulturdiplomatie waren ebenfalls bedeutende Begegnungen, die die vielschichtige Struktur unseres Forums vervollständigten. Bei unserem Forum, das wir unter dem Motto “Die Zukunft gestalten” durchgeführt haben, haben wir auch die wahren Zukunftsträger nicht vergessen. Im Rahmen der ADF-Jugendveranstaltung werden wir gleich die Gelegenheit haben, uns mit unseren jungen Menschen zu treffen. Wir werden die Welt von morgen gemeinsam mit ihrer Vision und ihrer Energie angehen.

Sehr geehrte Pressevertreter*innen, ich möchte mit großer Freude zum Ausdruck bringen, dass das Antalya Diplomatie Forum in einer so schwierigen Zeit, in der Unsicherheiten und multiple Krisen zum vorherrschenden Charakter des internationalen Systems geworden sind und Polarisierung den Dialog zu verdrängen beginnt, zu einem weltweit seltenen Ort der Hoffnung, des Dialogs und der Lösungen geworden ist. Dieses Forum ist zugleich ein Beweis für die diplomatische Erfahrung und die organisatorische Leistungsfähigkeit unseres Außenministeriums. Als Türkiye werden wir unsere Außenpolitik weiterhin ohne uns in enge Rahmen zu begeben und mit der Überzeugung fortsetzen, dass Diplomatie der Schlüssel zum Frieden ist. Wir werden entschlossen daran festhalten, unsere Zusammenarbeit zu vervielfältigen und unsere Brücken der Freundschaft zu vermehren, indem wir alle Möglichkeiten der Diplomatie ausschöpfen. Wir werden mit derselben Entschlossenheit daran arbeiten, Vertrauen in kritischen Fragen aufzubauen, die Parteien einander anzunähern und bei Bedarf eine Vermittlerrolle zu übernehmen. Die Anziehungskraft von Türkiye im Bereich der Diplomatie wird, mit Gottes Hilfe, auch in der kommenden Zeit mit zunehmender Dynamik weiter wachsen.

Zum Abschluss meiner Ausführungen möchte ich unserem Präsidenten und seiner verehrten Gattin noch einmal meinen Dank für ihre starke Unterstützung und ihr Wohlwollen gegenüber dem Antalya Diplomatie Forum aussprechen.

Ich danke erneut all meinen Kollegen*innen, unseren lokalen Behörden sowie allen Institutionen, Teilnehmern und Mitwirkenden, die zum Erfolg des Forums beigetragen haben.

Ebenso möchte ich Ihnen, den geschätzten Vertretern der Presse, ganz besonders für Ihren wertvollen Beitrag dazu danken, dass die Botschaften unseres Forums ein breites Publikum erreichen.

Nun kann ich wohl Ihre Fragen entgegennehmen. Herr Öztürk, fangen wir mit Ihnen an.

FRAGE – Vielen Dank, Herr Minister. Kemal Öztürk, ich frage im Namen von NTV und Al Jazeera.

Herr Minister, Sie haben im Rahmen dieser Treffen auch separate Treffen zu regionalen Krisen abgehalten, wie Sie in Ihrer Rede erwähnt haben. Eines davon war das dritte Treffen mit Türkiye, Pakistan, Ägypten und Saudi-Arabien. Das erste fand in Riad statt, dann in Islamabad und nun in Türkiye. Hat dieses Treffen das Ziel, Fortschritte in Richtung eines Verteidigungspakts zu erzielen? Das möchte ich fragen. Denn in der israelischen Presse bezeichnen einige Politiker und Medien diese Bündnisgespräche als radikalislamisches oder radikalsunnitisches Bündnis. Wie definieren Sie das Bündnis dieser vier Länder im Rahmen dieser Gesprächsrunde?

Meine zweite Frage betrifft das Treffen zum Thema Gaza, das Sie als Fortsetzung des US-Friedensplans abgehalten haben. Doch von der Blockade der Hilfslieferungen in Gaza bis hin zu vielen anderen Themen herrscht derzeit Stillstand. Wie wollen Sie in dieser Ungewissheit, die das Motto Ihres Forums ist, in der Gaza-Frage vorgehen? Welche Strategie verfolgen Sie? Vielen Dank.

AUSSENMINISTER HAKAN FIDAN – Vielen Dank.

Wir haben, wie Sie sagten, das dritte Treffen des Viererforums Pakistan-Türkiye-Saudi-Arabien-Ägypten abgehalten. Dies haben wir auch der Öffentlichkeit mitgeteilt. Unser Ziel war von Anfang an – und das haben wir der Öffentlichkeit wiederholt mitgeteilt – dass diese vier Länder alle Themen, die regionale Eigenverantwortung erfordern, angehen und mit einer authentischen, realistischen und umsetzbaren Agenda voranschreiten... Unsere Staats- und Regierungschefs haben in dieser Hinsicht einen festen Willen. Wir als Außenminister setzen diesen Willen in die Praxis um und prüfen, wie wir ihn in vielen Bereichen wie Wirtschaft, Technologie, Gesundheit und Verteidigung konkret umsetzen können. Wir sind der Überzeugung, dass diese vier Länder tatsächlich eine repräsentative Rolle einnehmen. Um diese vier Länder herum erstreckt sich eine ganze Region. Wir haben die feste Überzeugung und die rationale Erkenntnis, dass die Region ihr eigenes Potenzial nicht ausschöpfen kann, weil sie die Möglichkeiten zur Zusammenarbeit, die ihr zur Verfügung stehen, nicht nutzt. Ausgehend von dieser Erkenntnis kommen wir gemeinsam zusammen, um konkrete Themen umzusetzen. Es gibt, wie Sie wissen, sehr ernste politische Krisen und Konflikte. Was kann getan werden, um diese Konflikte zu entschärfen? Wir sind nicht wie Israel. Wie Sie wissen, haben sie sich mit der griechisch-zyprischen Verwaltung zusammengetan und ein Militärbündnis gegen die muslimischen Länder in der Region geschlossen. Wir tun nicht das, was sie tun. Wie können wir die Konflikte in unserer Region beilegen, wirtschaftlichen Fortschritt erzielen und Stabilität herstellen? Darum bemühen wir uns. Wir haben Folgendes erkannt: Wenn diese Region weiterhin auf Hilfe von außen und auf einen Retter wartet, wird sie auf ewig mit diesen Problemen konfrontiert bleiben. Deshalb lenken kluge Akteure ihre Zukunft, indem sie mit Weisheit Lehren aus der Vergangenheit ziehen.

Unser Treffen zum Thema Gaza: Wie Sie wissen, befindet sich der Gaza-Friedensplan derzeit in der Umsetzungsphase. Die Acht-Nationen-Gruppe, die den Anstoß für den Gaza-Friedensplan gab... Wie Sie wissen, trafen sich unsere Staats- und Regierungschefs im vergangenen September in New York mit Herrn Trump. Auf der Grundlage der dort erzielten Einigung und des dort bekundeten Willens wurden Mechanismen wie der Gaza-Friedensplan und der Friedensrat ins Leben gerufen. Nun sind wir erneut mit den Ländern zusammengekommen, die den Gründungsgeist dieses Plans verkörpern. Wir haben sehr detaillierte Diskussionen darüber geführt, wohin uns all unsere Bemühungen und Arbeiten zur Beendigung und Umkehrung des Völkermords in Gaza, die im bisherigen Verlauf getroffenen Entscheidungen, die dargelegte Vision und die strukturellen Institutionalisierungen geführt haben.

FRAGE – [SIMULTANÜBERSETZUNG] Adnan Can Ataytürkmen, Al Arabi TV

Sehr geehrter Herr Minister, Präsident Erdoğan hat bei dem Treffen mit dem pakistanischen Präsidenten zum Ausdruck gebracht, dass eine neue regionale Struktur erforderlich sei, und gleichzeitig, dass angesichts des Krieges der USA und Israels gegen den Iran eine neue Sicherheitsarchitektur notwendig sei. Soll diese in Zusammenarbeit mit Pakistan, Saudi-Arabien und Ägypten aufgebaut werden? Soll diese Zusammenarbeit sich in diese Richtung entwickeln, um diesen Herausforderungen und der größten Gefahr in der Region – den expansionistischen Politiken Israels – entgegenzuwirken?

Meine zweite Frage betrifft die Straße von Hormus. Wie steht Türkiye zu einer möglichen Sperrung durch den Iran?

AUSSENMINISTER HAKAN FIDAN – Sehr geehrte Damen und Herren, ich danke Ihnen für Ihre Frage. Wie ich bereits erwähnt habe, müssen die Länder der Region zusammenkommen und sich der Probleme der Region annehmen. Dies ist für uns eine lebenswichtige Notwendigkeit. Türkiye ist davon überzeugt, dass die dafür erforderliche Reife, Kapazität und Vision vorhanden sind. Unser Präsident hat in dieser Frage einen sehr starken Willen gezeigt. Im Laufe der Jahre hat sich auch mit den Führern der Region ein Konsens über diese Vision herausgebildet. Nun muss dies in die Tat umgesetzt werden. Wie Sie sehen, gibt es derzeit viele Probleme in unserer Region. Der Völkermord in Gaza, der Libanon, gefolgt vom Iran – all dies hat zu einer Situation geführt, die das Vertrauen zwischen den Ländern der Region untergräbt, Konflikte verschärft und Armut sowie Rückständigkeit mit sich bringt. Um all diese Probleme zu beseitigen, kommen wir gemeinsam zusammen und suchen nach Lösungen. Als unser Präsident mit Herrn Shahbaz Sharif und Scheich Tamim zusammentraf, sprachen sie natürlich über regionale Themen. Auch hier wurde über diese Vision gesprochen. Diese Vision ist eine Vision, zu der sich alle bekennen. Mit Gottes Hilfe werden wir unsere Agenda weiterhin im Rahmen dieser Vision vorantreiben.

Was die Straße von Hormus betrifft, herrscht derzeit eine gewisse Verwirrung. Es gibt Erklärungen der Parteien, dass sie zeitweise geöffnet und zeitweise teilweise blockiert wird. Wir verfolgen die Umsetzung auch über unsere Seestreitkräfte genau. Sobald es in dieser Angelegenheit Entwicklungen gibt, werden wir die Öffentlichkeit weiterhin informieren.

FRAGE – [SIMULTANÜBERSETZUNG] Keir Simmons, NBC News

Während dieses Forums liefen auch die Verhandlungen mit dem Iran weiter. Können Sie uns einige Details dazu geben? Präsident Trump hatte erklärt, er habe wichtige Gespräche mit dem iranischen Parlamentspräsidenten geführt und ein Friedensabkommen sei nicht mehr weit. Doch nun sehen wir, dass die Region erneut in Richtung Krieg getrieben wird. Was geschieht da? Können Sie uns das erläutern?

AUSSENMINISTER HAKAN FIDAN – Sehr geehrte Damen und Herren, wie Sie wissen, verfolgen wir die unter pakistanischer Vermittlung stattfindenden Verhandlungen zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten nicht nur aufmerksam, sondern bemühen uns auch, jede erdenkliche Unterstützung zu leisten. Wir sind im Gespräch sowohl mit der amerikanischen als auch mit der iranischen Seite, um herauszufinden, wie wir die aktuellen Bemühungen unserer pakistanischen Brüder unterstützen können. Wir sind auf der Suche nach Möglichkeiten dazu. Es ist offensichtlich, dass die Verhandlungen nun eine kritische Phase erreicht haben – das ist allgemein bekannt. Das Positive daran ist: Beide Seiten setzen die Gespräche mit großer Ernsthaftigkeit und Aufrichtigkeit fort und sind entschlossen, dies auch weiterhin zu tun. Nicht nur die Konfliktparteien, sondern die ganze Welt ist offen gesagt erleichtert über den derzeitigen Waffenstillstand. Natürlich ist es für alle wichtig, dass dieser Bestand hat, und ich sehe, dass sich auch die Konfliktparteien dessen bewusst sind. Alle Akteure, die wir hier in diesem Forum treffen – aus dem Osten, dem Westen, dem Norden und dem Süden –, bringen uns ständig ihre Besorgnis darüber zum Ausdruck, dass der Krieg nicht wieder ausbrechen darf. Wir versichern ihnen, dass wir in dieser Hinsicht alles in unserer Macht Stehende tun werden. Wir wissen, dass sich die Parteien zum jetzigen Zeitpunkt in bestimmten Fragen noch immer uneinig sind. Ich möchte nicht auf die Details eingehen; noch vor meiner Ankunft habe ich ein wichtiges Gespräch mit der pakistanischen Seite geführt. Wo stehen wir, und was sind die nächsten Schritte, die wir unternehmen müssen? Natürlich will niemand, dass mit dem Auslaufen des Waffenstillstands nächste Woche erneut ein Krieg beginnt. Unsere Hoffnung ist, dass die Parteien – wiederum aufgrund des Drucks der Weltöffentlichkeit – den Waffenstillstand verlängern und in dieser verlängerten Frist die Fragen lösen, die sie bisher nicht lösen konnten, bei denen sie aber den Willen zur Lösung suchen. Wir haben das ja schon ganz am Anfang gesagt, liebe Freunde, vielleicht erinnern sich diejenigen, die das verfolgt haben. Zwei Wochen sind gut für einen Waffenstillstand, aber die vor ihnen liegende Agenda ist so umfangreich, dass es nicht möglich sein wird, all diese Themen in zwei Wochen zu lösen. Daher wird eine weitere Verlängerung notwendig sein. Diese Verlängerung wird hoffentlich kommen, ich bin in dieser Hinsicht optimistisch, aber einige Punkte müssen noch geklärt werden. Wir sehen, dass die Verhandlungen größtenteils abgeschlossen sind, aber bei ein oder zwei sehr kritischen Punkten bestehen weiterhin Meinungsverschiedenheiten. Hoffentlich wird auch das so schnell wie möglich...

AUSSENMINISTER HAKAN FIDAN – Gökhan Çeliker, Anadolu Ajansı.

Das Antalya Diplomatie Forum sticht tatsächlich seit Jahren als einziges Forum hervor, an dem sowohl der russische als auch der ukrainische Außenminister teilnehmen. Türkiye verfügt in dieser Angelegenheit bereits über viermalige Erfahrung darin, die Parteien an einen Tisch zu bringen. Sowohl der russische Außenminister Lawrow als auch der ukrainische Außenminister Sibiha haben hier in Istanbul Erklärungen abgegeben, wonach sie einem solchen Prozess positiv gegenüberstehen. Erwarten Sie von den Parteien in dieser Frage eine Änderung ihrer Position oder die Bereitschaft zu Gesprächen?

Vielen Dank.

AUSSENMINISTER HAKAN FIDAN – Liebe Freunde, so wie wir die Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA genau verfolgen, verfolgen wir auch die Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine. Wie Sie wissen, übernehmen wir dort ebenfalls eine Rolle, wenn es erforderlich ist. Dieser Krieg, der nun wirklich in sein fünftes Jahr geht, muss endlich beendet werden, er hat zu hohe Kosten verursacht. Aber auch die Tatsache, dass der Krieg in einem bestimmten Gebiet weitergeht, wird mittlerweile als selbstverständlich hingenommen. Das ist eigentlich weder für die Ukraine noch für Russland von Vorteil; wir müssen unsere Friedensbemühungen verstärken und fortsetzen. Die Vision und das Engagement von Türkiye in dieser Frage ist offensichtlich. Wir haben die Parteien im vergangenen Sommer dreimal in Istanbul zusammengebracht und sind bereit, dies erneut zu tun, sei es auf technischer Ebene oder auf der Ebene der Staats- und Regierungschefs. Aber die Parteien treffen sich auch in anderen Hauptstädten.

Wir sehen es so: Wir sprechen tatsächlich auch darüber, und ich habe kein Problem damit, dies hier zu sagen; während einerseits die Iran-USA-Verhandlungen andauern, hat der Iran-USA-Konflikt tatsächlich dringlichere Probleme plötzlich in den Hintergrund gedrängt, das heißt, das Interesse der Weltöffentlichkeit an den Friedensverhandlungen in der Ukraine und am Gaza-Friedensplan schien plötzlich nachzulassen. Als Folge davon begegnen wir den hier auftretenden Verzögerungen offen gesagt mit strategischer Besorgnis. Um dies zu verhindern, warnen wir die Parteien bereits jetzt und betonen immer wieder: Wir dürfen uns hier nicht ablenken lassen; sowohl die Ukraine- als auch die Gaza-Frage sind äußerst wichtig. Wir müssen unsere Aufmerksamkeit auf diese beiden Themen richten, dazu sind wir in der Lage.

FRAGE – Ich schalte mich aus Aserbaidschan zu; Hayale Reis, Chefredakteurin der Website Xpress.az.

Meine Frage lautet: Während der Friedensprozess zwischen Aserbaidschan und Armenien andauert, betrachtet Türkiye diesen Prozess nicht nur als Mittel zur Sicherung der regionalen Stabilität, sondern auch als Chance, der globalen Diplomatie ein neues Modell zu geben. Wenn dem so ist, lässt sich dieses Modell dann auch in ähnlichen Konfliktgebieten anwenden und welche Auswirkungen kann es auf globaler Ebene haben?

AUSSENMINISTER HAKAN FIDAN – Liebe Freunde, wie Sie wissen, unternehmen wir sehr ernsthafte Anstrengungen, um den Frieden im Südkaukasus zu sichern; wir wollen auch dort Stabilität schaffen. Im Grunde genommen ist die außenpolitische Vision, die unser Herr Präsident von Anfang an für unsere Region dargelegt hat, klar: Was wir für eine Region wollen, wollen wir auch für die andere. Wir vertreten überall eine Haltung, die Frieden und Stabilität in den Vordergrund stellt, damit wir darauf aufbauend Entwicklung und Wohlstand schaffen können. Nun wurden in den laufenden Gesprächen zwischen Armenien und Aserbaidschan sehr wichtige Fortschritte erzielt. Wie Sie wissen, wurde das Friedensabkommen bei einer Zeremonie in Washington paraphiert, doch bis zur endgültigen Unterzeichnung sind noch ein oder zwei Schritte zu tun. Doch die bisherigen Bemühungen haben gezeigt: Beide Seiten sind in ihrem Streben nach Frieden sehr aufrichtig und bereit, weitere Schritte zu unternehmen; sie sind in der Lage, diese Risiken einzugehen, und die internationale Öffentlichkeit steht ihnen in dieser Frage mit unglaublicher Sympathie und Unterstützung zur Seite. In dieser Frage wird Türkiye natürlich weiterhin an der Seite Aserbaidschans stehen, das ist unser gemeinsames Schicksal. Aber wir glauben, dass die Region durch den Frieden, den Aserbaidschan mit Armenien schließen wird, wesentlich stabiler werden wird. Das ist für alle Völker der Region außerordentlich wichtig.

FRAGE – [SIMULTANÜBERSETZUNG] Vielen Dank, Herr Minister. TRT World, Kübra Akkoç.

Derzeit herrscht auch im Libanon ein Waffenstillstand. Welche Bedeutung hat der Waffenstillstand im Libanon aus Ihrer Sicht für den Frieden in der gesamten Region?

AUSSENMINISTER HAKAN FIDAN – Liebe Freunde, der Libanon ist eines der wichtigen und komplexen Themen, mit denen wir uns derzeit befassen. Wie Sie wissen, stehen wir in großer Solidarität mit dem libanesischen Volk; unser Präsident hat diesbezüglich bereits Erklärungen abgegeben. Unsere humanitären Hilfsmaßnahmen für bestimmte Regionen, die sich derzeit in einer Krise befinden, werden ebenfalls fortgesetzt. Leider fällt der Libanon erneut den grausamen Fängen des Krieges zum Opfer. Während das Land bereits mit innerer ethnischer, konfessioneller und religiöser Spaltung zu kämpfen hat, sah es sich in den letzten Monaten zudem mit der israelischen Besatzung konfrontiert, wodurch mehr als eine Million Menschen ihr Zuhause verloren haben. Und als ob das noch nicht genug wäre, sehen wir, dass Israel mit seinen wiederholten Ankündigungen die in Gaza angewandten Maßnahmen und Besatzungspolitiken nun auch hier umsetzt. Natürlich sind sowohl die regionale als auch die internationale Öffentlichkeit darüber sehr besorgt. Nicht nur aus humanitären Gründen. Dies ist eine Besatzung, die die Stabilität der Region sehr ernsthaft beeinträchtigen wird. Allerdings scheinen die derzeit laufenden Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA dies ein wenig in den Hintergrund zu drängen. Israel versucht, diese Gelegenheit zu nutzen, um eine vollendete Tatsache zu schaffen. Das darf nicht zugelassen werden, und wir werden alles in unserer Macht Stehende tun, um dies zu verhindern.

Bitte, unser griechischer Kollege.

FRAGE – Hallo, Herr Minister. Manolis Kostidis, Zeitung Kathimerini und Skai TV.

In einem Interview vor einigen Tagen sprachen Sie davon, dass das Dreierbündnis aus Griechenland, “Zypern” und Israel im östlichen Mittelmeer eine Operation zur Einkreisung von Türkiye durchführe oder zumindest diesen Eindruck erwecke. Sie erwähnten, dass Sie dies im Blick hätten. Warum entsteht ein solcher Eindruck? Denn Griechenland sagt: “Auch Türkiye ist an vielen Kooperationen beteiligt.” Warum entsteht ein solcher Eindruck?

Ich habe noch eine Frage. Griechenland hat in einem Schreiben an die Vereinten Nationen erklärt, dass es sich das Recht vorbehält, die Hoheitsgewässer der Inseln auf 12 Seemeilen auszuweiten, und gleichzeitig den Wunsch geäußert, diese Frage mit Türkiye im Einklang mit dem Völkerrecht friedlich zu lösen. Was ist Ihre Botschaft zu diesem Thema? Vielen Dank.

AUSSENMINISTER HAKAN FIDAN – Wir arbeiten mit den Ländern der Region zusammen, und wie Sie wissen, gibt es auch die NATO, die ein militärisches Bündnis ist. Auch Griechenland ist Teil der NATO. Nun, dass sich in der Region Israel, Griechenland und die griechisch-zyprische Verwaltung – ich sage das, weil Sie danach gefragt haben – zusammenschließen, um ein Militärbündnis zu gründen und konkrete Truppenverbände zu bilden … die Priorität der Bedrohung ist klar: Türkiye und andere Länder. Niemand kann also erwarten, dass dies einen anderen Eindruck erweckt. Weder vorher noch nachher wurde uns diesbezüglich eine Zusicherung oder Erklärung gegeben. Niemand hat uns bei der Gründung dieser Bündnisse gesagt: “Wir tun das nicht gegen euch.” Ganz im Gegenteil: Bei der Zeremonie zur Gründung dieses Bündnisses, als die Staats- und Regierungschefs nebeneinander standen, gab es Erklärungen des israelischen Ministerpräsidenten in Anwesenheit sowohl des griechischen Ministerpräsidenten als auch des Führers der griechisch-zyprischen Verwaltung, die den Geist dieses Bündnisses und den Grund für dessen Gründung definierten. Angesichts dieser Tatsachen bin ich der Meinung, dass unsere Reaktion aufgrund des Verhandlungsprozesses, den wir mit Griechenland führen, sogar noch zu milde ausfiel. Das heißt, wir wollten diesen Geist der Zusammenarbeit offen gesagt zu keinem Zeitpunkt stören. Aber was der israelische Ministerpräsident bei jenem Treffen gesagt hat, ist bekannt; es gibt konkrete militärische Strukturen, es gibt militärische Kooperationen. Das können wir jetzt nicht ignorieren. Griechenland kann das anders darstellen, es verbergen. Es ist ja selbst ein NATO-Land, und dass es anschließend mit anderen Ländern eine solche militärische Zusammenarbeit eingeht...

In Europa hat außer Griechenland niemand ein Abkommen über eine solche militärische Zusammenarbeit oder die Bildung gemeinsamer Streitkräfte unterzeichnet. Daher ist dies ein Grund zur Sorge… nicht nur für uns, denn sehen Sie, dieses Problem betrifft nicht nur Türkiye. Sie sprechen es zwar nicht offen aus, aber alle muslimischen Länder in der Region sind ernsthaft besorgt und stellen Fragen. Angesichts der Besatzungs- und Expansionspolitik Israels in der Region…Angesichts dieser Situation ist es auch nicht richtig zu behaupten, dass “Türkiye hier unnötig Besorgnis schürt”. Es gibt Realitäten, es gibt Tatsachen, es gibt Sorgen der Länder in der Region. Türkiye ist in der Lage, sich selbst zu schützen, aber es gibt Länder in der Region, die schwächer sind und diesem Militärbündnis mit Sorge entgegenblicken, das möchte ich auch sagen.

FRAGE – [SIMULTANÜBERSETZUNG] Vielen Dank, Herr Minister. Mein Name ist Abdülhamid Sayen.

Ich hatte Ihnen im vergangenen Jahr hier eine Frage gestellt: Welche konkreten Schritte unternimmt Türkiye, um den Völkermord in Gaza zu stoppen? Ich möchte heute Folgendes sagen: Dieser Völkermord ist nicht vorbei; er geht im Gazastreifen und im Westjordanland weiter. Er geht im Südlibanon, in Syrien und im Iran weiter. Herr Minister, wenn Israel den Widerstand im Gazastreifen, im Westjordanland, im Libanon, in Syrien und im Iran bricht, sehen Sie dann nicht ein, dass die große Republik Türkiye Israels nächstes Ziel sein wird? Vielen Dank.

AUSSENMINISTER HAKAN FIDAN – Wir danken unserem Kollegen für seine Sensibilität gegenüber Gaza.

Es ist eine Tatsache, dass der Völkermord im Gazastreifen in verschiedenen Formen fortgesetzt wird. Menschen werden dem Hungertod preisgegeben, müssen die Kälte ertragen und ihnen wird der Zugang zu grundlegenden Unterkünften verweigert. Wir sehen dies und haben es überall gesagt: Wir als internationale Gemeinschaft haben uns zusammengeschlossen und unternehmen intensive Anstrengungen zur Umsetzung des Gaza-Friedensplans. Unser Präsident führt seit einem Jahr intensive Verhandlungen mit Herrn Trump und regionalen Führungskräften. Trotzdem weiß jeder –nur spricht es keiner aus–, dass Israels grundlegende Absicht, den Gazastreifen durch Tötung und Vertreibung seiner Bevölkerung zu entvölkern, unverändert geblieben ist.

Daher unternimmt die internationale Gemeinschaft, wie auf dem Antalye Diplomatie Forum wiederholt betont wurde, große Anstrengungen, mit allen diplomatischen Mitteln die notwendigen Schritte einzuleiten, um dies zu verhindern. Dieses Problem, das Problem der israelischen Expansion – also jenes langwierige Problem, von dem Sie gesprochen haben und das wir so bezeichnen –, ist mittlerweile nicht mehr nur ein Sicherheitsproblem für die Region, sondern für die ganze Welt. Die Frage, wie und mit welchen Methoden die internationale Gemeinschaft diesen Expansionismus stoppen wird, ist eines der Hauptthemen ihrer Agenda. Ich glaube, dass es in diesem Prozess positive Entwicklungen geben wird. Denn alle Akteure, mit denen wir gesprochen haben, teilen dieselbe Sorge. Denn alle Beteiligten, die hier versammelt sind, teilen dieselbe Sorge. Das heißt, niemand kann mehr Ausreden für diese Expansionspolitik Israels finden, und sie ist auch nicht mehr tragbar. Wir sprechen von einer irrationalen, fundamentalistischen Regierung, die ständig internationale Krisen auslöst und verschärft. Das ist zu einer Belastung für die ganze Welt geworden. Dies ist nicht nur ein Problem von Türkiye; manche versuchen, es zu sehr mit Türkiye in Verbindung zu bringen, aber es ist nicht nur unser Problem. Es handelt sich nicht nur um ein Problem der Region, sondern um ein Sicherheitsproblem, das der ganzen Welt zu schaffen macht – und das aufgrund einer fundamentalistischen Regierung dort.

FRAGE – [SIMULTANÜBERSETZUNG] Herr Minister. Ich möchte mich bei Ihnen für Ihre Rede bedanken.

Mein Name ist Mercy Bamigbola, ich komme aus Nigeria und vertrete den einzigen türkischsprachigen Sender, der in 49 afrikanischen Ländern sendet. Meine Frage betrifft Diplomatie und Mediation. Türkiye positioniert sich als Vermittler. Kann eine solche Vermittlungsrolle auch bei Konflikten in Afrika übernommen werden ? Welche Prioritäten setzt Ankara derzeit in Bezug auf Regionen, in denen es eine aktivere Rolle spielen könnte?

AUSSENMINISTER HAKAN FIDAN – Vielen Dank. Die Rolle, die wir in anderen Regionen zu spielen versuchen, bemühen wir uns selbstverständlich auch in Afrika wahrzunehmen. Wir verfolgen hier eine zweigleisige Strategie, die sich insbesondere auf die Beendigung von Konflikten und die Unterstützung von Nationalstaaten in ihren Sicherheitsfragen, vor allem im Kampf gegen den Terrorismus, konzentriert. Wirtschaftliche, handelsbezogene, entwicklungspolitische und technische Zusammenarbeit besteht bereits. Strategisch liegt unser Fokus auf der Deeskalation von Konflikten und der Bekämpfung des Terrorismus; an diesen beiden Ursachen der Instabilität arbeiten wir. Wir gehen dabei sehr methodisch vor. Wir verfügen über ernstzunehmende Erkenntnisse und haben fundierte Studien durchgeführt, einige davon kommen Ihnen zugute.

Wie Sie wissen, unterstützt Türkiye den laufenden Kampf gegen den Terrorismus in Somalia. Auch mit Nigeria besteht diesbezüglich ein Kooperationsabkommen. Wir werden dieses weiter ausbauen, da es für die Stabilität des Landes unerlässlich ist. Ähnliches gilt auch für andere Länder. Andererseits war unsere Vermittlung zwischen Somalia und Äthiopien unter der Führung unseres Präsidenten von großer Bedeutung. Ebenso unterstützt Türkiye die laufenden Bemühungen um die Integration Libyens uneingeschränkt. Wir setzen alles daran, den andauernden Bürgerkrieg im Sudan zu beenden. Wir beobachten zudem die Probleme zwischen Ruanda und der Demokratischen Republik Kongo genau, und es gibt einige weitere heikle Konflikte zwischen regionalen Ländern, die ich an dieser Stelle nicht nennen möchte. Auch diese beobachten wir weiterhin aufmerksam. Afrika ist in dieser Hinsicht nie aus unserem Blickfeld geraten. Wir wissen, dass es im Interesse aller liegt, die Erfahrungen, die wir in unserer Region bei der Lösung von Konflikten gesammelt haben, auch anderswo einzusetzen.

FRAGE – Ali Veliyev aus Aserbaidschan, Chefredakteur von Manset.az.

Zwischen Aserbaidschan und Armenien liegt ein Friedensabkommen vor. Wird Türkiye ihre Softpower effektiv einsetzen, um dieses Abkommen zu fördern? Wie Sie wissen, gibt es in der Region ein wichtiges wirtschaftliches Thema: die Öffnung des Sangesur-Korridors. Dieser Korridor ist sowohl aus regionalwirtschaftlicher Sicht als auch für Türkiye von großer Bedeutung. Welche Anstrengungen wird Türkiye unternehmen, um dies zu ermöglichen?

AUSSENMINISTER HAKAN FIDAN – Wie ich bereits erwähnte, wird dieses Abkommen, mit Gottes Hilfe, in Kraft treten und wir werden erleben, wie die bisher unternommenen Anstrengungen zum Abschluss gebracht werden. Wir sehen bereits die positiven Auswirkungen einer Friedensperiode, einer Zeit ohne Konflikte, auf die Region. Wir gehen davon aus, dass die Normalisierung der Beziehungen zwischen den Ländern, zwischen Türkiye und Armenien sowie zwischen Aserbaidschan und Armenien, der Region in Bezug auf Konnektivität sowie Wirtschafts-, Handels- und Energiesicherheit sehr bedeutende Ergebnisse liefern wird. Es gibt konkrete Anzeichen dafür. Unsere Region ist von außerordentlicher Bedeutung, insbesondere im Hinblick auf die Realisierung des Mittleren Korridors. In diesem Zusammenhang ist die Stabilität im Südkaukasus nach der Überquerung des Kaspischen Meeres wichtig für die Stabilität des Mittleren Korridors. Auch der Sangesur-Korridor ist für die Stärkung der türkischen Konnektivität in der Region von großer Bedeutung. Wir pflegen diesbezüglich enge Arbeitsbeziehungen zur Europäischen Union bei Konnektivitätsprojekten. Diese Themen werden wir in Kürze auch mit Frau Marta Kos besprechen. Mit Gottes Hilfe, wird es nach Unterzeichnung des Friedensabkommens zu einer deutlichen Verbesserung der Konnektivität und der wirtschaftlichen Entwicklung der Länder in der Region kommen. Wir stehen kurz davor. Hoffentlich wird es so schnell wie möglich geschehen.

FRAGE – Deniz Kilisloğlu, NTV.

Ich habe einige Fragen zu Ihren Aussagen. Gibt es hinsichtlich der Verlängerung des Waffenstillstands einen Zeitplan, an dem gearbeitet wird, oder wird eine bestimmte Dauer in Betracht gezogen? Sie erwähnten ein wichtiges Treffen in Pakistan. Das interessiert uns natürlich. Vielleicht haben Sie bereits die neuesten Informationen erhalten. Wann findet das nächste Treffen, die nächste Verhandlungsrunde, statt? Was erwarten Sie davon? Es ist von Montag und Dienstag die Rede. Wird es tatsächlich so sein?

Meine letzte Frage betrifft die Waffenruhe im Libanon. Die Waffenruhe zwischen Iran und den Vereinigten Staaten endet am Dienstag, die im Libanon gilt jedoch für zehn Tage. Sehen Sie irgendeine Kommunikation zwischen den beiden Seiten? Betrachten Sie diese zehn Tage als Geste des guten Willens oder handelt es sich lediglich um eine taktische Phase, die als Vorbereitung für Verhandlungen zwischen Iran, den Vereinigten Staaten und Pakistan dient? Vielen Dank.

AUSSENMINISTER HAKAN FIDAN – Wie Sie wissen, war der wichtigste Grund für die Waffenruhe die Ermöglichung von Verhandlungen. Derzeit führt die unterschiedliche Sichtweise zwischen dem Iran und den USA während der geltenden Waffenruhe zur Fortsetzung der Besatzung und der Tötungen im Libanon. Dies wurde vom Iran als Verstoß gegen die Waffenruhe gewertet. Nun wurde unter Einbeziehung beider Seiten eine zehntägige Waffenruhe im Libanon ausgerufen. Diese war selbstverständlich als Teil einer allgemeinen Waffenruhe gedacht, um Verhandlungen zu ermöglichen. Wie ich bereits auf eine andere Frage antwortete, wünscht sich die gesamte Weltöffentlichkeit die Fortsetzung der Verhandlungen. Der Wille und der Druck in dieser Hinsicht sind sehr stark. Niemand will einen erneuten Kriegsausbruch. Die negativen Auswirkungen auf die Energiesicherheit liegen auf der Hand. Der Druck auf die Preise ist deutlich spürbar. Derzeit geben einige Länder dies zu, andere nicht, aber in den Haushalten vieler Länder führt dies zu ernsthaften Schwierigkeiten und Schäden... Für den Haushalt 2026 hat dies zumindest unvorhersehbare, nicht ausgleichbare Schwierigkeiten mit sich gebracht. Angesichts des daraus resultierenden Drucks bin ich daher der Meinung, dass die Parteien kein Problem darin sehen sollten, den Waffenstillstand zu verlängern, um die Friedensverhandlungen fortzusetzen. Vielleicht, mit Gottes Hilfe, tritt ja ein optimistischeres Szenario ein, und bis dahin könnte der Hauptteil der Verhandlungen bereits abgeschlossen sein.

FRAGE – Eda Tuğrul, Haber Global.

Eines der Hauptthemen des Forums war die neue Weltordnung, die sich in diesem globalen Umfeld zunehmender Unsicherheit herausbilden würde. Ein Bild, das auf dem Forum besonders in Erinnerung blieb, zeigte Präsident Erdoğan, den aserbaidschanischen Präsidenten Alijew und den pakistanischen Premierminister Sharif. Welche Botschaft sendete dieses Bild an die Welt?

AUSSENMINISTER HAKAN FIDAN – Das ist im Grunde eine Botschaft der Solidarität unter Brüdern. Diese drei Führungspersönlichkeiten haben eine außergewöhnlich enge Beziehung, die über bloße Freundschaft hinausgeht. Sie teilen ein gemeinsames Schicksal und haben dies mehrfach bewiesen. Gleichzeitig spiegeln sie die Gefühle und Erwartungen ihrer Völker wider. Und dann gibt es da noch etwas, das wir lange nicht mehr gesehen haben, etwas, wonach wir uns gesehnt haben: dass diese Länder, wie ich gerade sagte, mit regionalem Verantwortungsbewusstsein zusammenkommen, sich um die Lösung ihrer Probleme bemühen, ihre Angelegenheiten professionell regeln und aufrichtig eng zusammenarbeiten, damit eine Ordnung entsteht, in der Frieden, Stabilität und gegenseitiger Respekt im Vordergrund stehen. Aufgrund unseres Regierungssystems, in dem die Völker ihre Macht den Führungskräften übertragen und diese die Macht im Namen des Volkes ausüben, ist es meiner Meinung nach natürlich ein vorbildliches Signal an die Welt, wenn die Führungskräfte zusammenkommen, eine solche positive Solidarität zeigen und Brüderlichkeit demonstrieren.

FRAGE – [SIMULTANÜBERSETZUNG] Meys Nassif Tahiroğlu, Yeni Şafak, Arabisch.

Meine Frage lautet: Welches Gleichgewicht versucht Syrien in dieser neuen Ära zu finden, um seine Souveränität zu etablieren? Welchen Zeitplan sollten Syrien und Türkiye hinsichtlich militärischer Abkommen verfolgen, und welche Aufgaben sind für Türkiye in Bezug auf die Hedschasbahn in Zukunft vorgesehen?

AUSSENMINISTER HAKAN FIDAN – Liebe Freunde, Herr Shara hat dieses Thema in seinen Gesprächen auf diesem Forum wiederholt angesprochen. Er traf sich mit unserem Präsidenten, und wie Sie wissen, habe auch ich ihn am ersten Tag getroffen. Syrien gehörte in den letzten Monaten der Krise zu den wenigen Ländern, die stabil und ruhig geblieben sind. Es hat in keinem Konflikt Partei ergriffen und auch kein anderes Land bedroht. Es hat sich ausschließlich darauf konzentriert, seine eigenen Wunden zu heilen und seine Anstrengungen zur Deckung des Bedarfs seiner Bevölkerung zu verstärken. Genau dieses vorbildliche Verhalten war es, das sowohl unser Präsident als auch andere Führungspersönlichkeiten in der Region von Syrien erwartet haben. Wir sehen es offen gesagt sowohl im Interesse Syriens als auch der Region, dass diese Strategie fortgesetzt wird. Es ist eine Strategie, die zu Stabilität, Frieden und Entwicklung führt. Deshalb ist es für die Sicherheit der Region außerordentlich wichtig, dass die derzeit unter der Leitung von Herrn Shara umgesetzten Maßnahmen sowohl dem Frieden als auch der Entwicklung dienen. Nun ist erneut deutlich geworden, dass mit der Schließung der Straße von Hormus… einige seit langem aufgeschobene und von uns zeitweise auch angesprochenen Verbindungsprojekte anstehen. Dabei handelt es sich insbesondere um den Güter- oder Energietransport, also um Pipelines. Es ist ebenfalls wichtig, dass die Energieressourcen aus dem Golf über Syrien und Türkiye wieder auf die internationalen Märkte gelangen und umgekehrt, dass Güter und Fracht aus Ländern außerhalb der Region nicht nur auf dem Seeweg, sondern auch über den Land- und Schienenverkehr auf der Strecke Türkiye-Syrien-Saudi-Arabien transportiert werden können. In dieser Frage besteht derzeit Einigkeit zwischen den Ländern. Die Verkehrsminister und ihre Teams arbeiten intensiv an diesem Thema. Der Schienenverkehr hat für uns momentan Priorität. In der Vergangenheit wurde dasselbe Thema bereits beim Treffen des saudischen Ministerpräsidenten, des Kronprinzen und unseres Präsidenten angesprochen. Liebe Freunde, Sie sehen: Wenn unsere Staats- und Regierungschefs zusammenkommen, sprechen sie darüber, wie wir die Vernetzung vorantreiben, wie wir Energiesicherheit gewährleisten, über gemeinsame Projekte, Infrastruktur, Krankenhäuser, besseren Verkehr und mehr Entwicklung. Niemand spricht von Krieg, Zerstörung, Besatzung, Expansion oder der Förderung des Terrors. Dieses Verhalten der Länder und Staats- und Regierungschefs dieser Region ist wahrlich vorbildlich. Türkiye spielt dabei eine außerordentlich wichtige Vorreiterrolle. Doch leider wollen einige Akteure nicht, dass sich das Schicksal unserer Region zum Besseren wendet. Es gibt auch Akteure, die sich eine Region wünschen, in der ständig Konflikte, Zerstörung und Tränen herrschen und die sich niemals aus diesem Bild befreien kann. Wir sind uns dieser Machenschaften bewusst. Doch glücklicherweise haben die Länder der Region, wenn sie zusammenkommen, den Willen und die Kraft, sich von diesem traurigen Schicksal zu befreien und Projekte umzusetzen, die ihren Frieden, ihre Entwicklung und ihren Wohlstand in den Vordergrund stellen.

FRAGE – [SIMULTANÜBERSETZUNG] Marcin Zaborowski, TVP World, Polen.

Sie erwähnten den Friedensprozess zwischen Russland und der Ukraine. Sie sagten, dass Türkiye ebenfalls Gastgeber einiger Gespräche war. Gestern trafen Sie sich außerdem mit Herrn Sibiha und Herrn Lawrow. Können wir davon ausgehen, dass sie sich in naher Zukunft erneut in Türkiye treffen werden, wobei Türkiye als Vermittler fungiert ? Gibt es dafür bereits einen Termin ?

AUSSENMINISTER HAKAN FIDAN – Unser Präsident hat in seinen Treffen mit Herrn Putin und Herrn Selenskyj wiederholt unsere Position und unsere Bereitschaft zur Ausrichtung von Treffen bekräftigt. Das heißt, Türkiye ist jederzeit bereit, Treffen auf höchster Ebene auszurichten und auch Gespräche auf technischer Ebene zu führen. Damit haben wir kein Problem. Wir sind bereit, wie bisher vorzugehen. Wir sind auch bereit, alle Treffen, die andernorts stattfinden, zu unterstützen. Solange Frieden herscht. Das Gute muss also nicht unbedingt von uns kommen; auch wenn es von anderen kommt, ist es dennoch gut und verdient Respekt. Wir sind bereit, jede Art von Unterstützung zu leisten. Hauptsache, es kommt Frieden.

FRAGE – [SIMULTANÜBERSETZUNG] Heqian Xu, Caixin Media.

2026 erweist sich als ein bedeutendes Jahr, geprägt von verstärkter Zusammenarbeit zwischen den Mittelmächten. Wir beobachten, wie externe Mächte ihre strategischen Ziele in verschiedenen Regionen verfolgen, doch Ihr Land und Ihre Regierung unternehmen in Ihrer Region große Anstrengungen zum Wohle aller. Sie haben zahlreiche Vorschläge gemacht. Möchten Sie anderen Regionalmächten oder anderen Mittelmächten weltweit eine Botschaft übermitteln und sie ermutigen, sich Ihren Bemühungen anzuschließen und Verantwortung für ihre jeweiligen Regionen zu übernehmen oder diese Schritte selbst in die Hand zu nehmen? Was würden Sie sagen?

AUSSENMINISTER HAKAN FIDAN – Unser Kollege stellte die letzte Frage, doch sie ist so komplex, dass wir ihr hier einen eigenen Abschnitt widmen und die gleiche Zeit erneut für die Diskussion aufwenden müssen. Aufgrund der Dringlichkeit der Problematik drehten sich die Fragen im Allgemeinen um die Beilegung regionaler Konflikte. Die Frage lässt sich wie folgt zusammenfassen: “Wie können mittelgroße Mächte, die sich global zusammenschließen, ihre Kapazitäten nutzen, um die Krisen zu bewältigen, die durch das gegenwärtige Machtvakuum in der Welt entstehen, und was kann in diesem Zusammenhang getan werden?” Liebe Kolleginnen und Kollegen, dies ist ein wichtiges Thema für uns. Unsere traditionellen nachbarschaftlichen Beziehungen, unsere Politik der Öffnung weit über unsere Grenzen hinaus und die von uns aufgebauten Beziehungen haben bereits die Grundlage dafür geschaffen. Wir unterhalten derzeit gute Beziehungen zu allen mittelgroßen Mächten: Japan, Südkorea, Australien sowie dem Vereinigten Königreich, Frankreich und Kanada. Unsere Beziehungen zu diesen Ländern… bringen aufgrund des Vakuums, das derzeit von den Großmächten geschaffen wird, einen einzigen Umstand mit sich. Zu den Themen, über die wir sprechen, kommt Folgendes hinzu: Wie können sich die Mittelmächte in diesem Vakuum zusammenschließen, um nicht nur in bilateralen Beziehungen, sondern auch bei der Lösung globaler Probleme Solidarität zu zeigen? Wie können globale Probleme durch diese Länder gestaltet werden, und welchen Beitrag können wir leisten? Dies gewinnt nun zunehmend an Bedeutung. Denn es gab ein Bündnis, dem jeder angehörte, und innerhalb dieses Bündnisses wurde versucht, sowohl regionale als auch nationale Interessen zu wahren. Jetzt, in dieser Zeit, in der das internationale System, die internationalen Beziehungen und dieses auf Nationalstaaten basierende System große Brüche erleben, müssen die Regeln neu definiert werden. In dieser Ungewissheit befindet sich niemand mehr auf Autopilot. Jeder muss seine Probleme nun durch intensive Kommunikation, intensive Koordination und intensiven Ideenaustausch bewältigen. Die Frage unseres Kollegen ist aus dieser Perspektive ebenfalls wichtig: So wie eine Blockade in der Straße von Hormus heute Südkorea, Japan und die Volksrepublik China betrifft, wird uns ein Problem im Südchinesischen Meer morgen erneut betreffen. Tatsächlich kommt es immer häufiger vor, dass regionale Krisen globale Auswirkungen haben. Dies ist mittlerweile zu einer Regel des Systems geworden. Daher verschwimmt die Grenze zwischen regionalen und globalen Krisen zunehmend. In einer Zeit, in der jede Krise auf einer derart vernetzten Wirtschafts- und Informationsstruktur beruht und wir unsere Zivilisationen darauf aufbauen, gibt es keine Unterscheidung mehr zwischen regionalen und globalen Krisen. Leider beeinflussen sich alle Krisen immer stärker gegenseitig. Dieser Austausch verdeutlicht daher, dass wir mit einer anderen Denkweise und Herangehensweise als bisher vorgehen und andere strukturelle Lösungen entwickeln müssen. Mit anderen Worten: Ich schätze diesen Gedankenaustausch und die Solidarität der Mittelmächte.

Ich danke Ihnen nochmals für Ihr Interesse und Ihren Besuch.

Vielen Dank, bleiben Sie wohlauf.

* Transkription von Interpress